Ausstellung in Fritzlar: Gemälde erzählt berührende Geschichte von Abschied und Mut
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Ausstellung in Fritzlar: Gemälde erzählt berührende Geschichte von Abschied und Mut

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Von: Daniel Seeger

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Das Gemälde bedeutet der Gudensbergerin Daniela Müller viel. Es ist neben anderen Kunstwerken noch bis zum Monatsende im Fritzlarer Soldatenheim zu sehen.
Das Gemälde bedeutet der Gudensbergerin Daniela Müller viel. Es ist neben anderen Kunstwerken noch bis zum Monatsende im Fritzlarer Soldatenheim zu sehen. © Daniel Seeger

Ein Familiengemälde, das derzeit in einer Ausstellung in Fritzlar zu sehen ist, erzählt eine berührende Geschichte.

Fritzlar/Gudensberg – Eine Familie steht in einer Wüstenlandschaft. Die drei Menschen sind nur von hinten zu sehen, sie blicken gemeinsam in die Ferne. Am rot leuchtenden Horizont fliegen Hubschrauber. Es ist ein besonderes Bild, das derzeit in der Ausstellung „Bilder der Seele“ im Soldatenheim in Fritzlar zu sehen ist.

Es erzählt eine Geschichte von Abschied und Mut, die eng mit Menschen aus unserer Region verknüpft ist. Obwohl das Ereignis, das auf dem Gemälde zu sehen ist, in rund 4000 Kilometern Entfernung stattgefunden hat. Die Familie, die auf dem Gemälde zu sehen ist, ist Familie Müller aus Gudensberg – beim Besuch in der Militärbasis Camp Castor in Mali.

Reise nach Mali war sehr wichtig für Familie

„Es war sehr wichtig für uns, dort zu sein“, sagt Daniela Müller. Sie steht auf, holt ein Fotobuch aus dem Nachbarzimmer und setzt sich wieder an den Esstisch in ihrem Zuhause in Obervorschütz. „Das hat uns ein Kamerad von Thomas geschenkt“, sagt sie und schlägt es auf. Auf dem Cover des Buchs ist ein Bild von ihrem Mann Thomas im Tiger-Hubschrauber – mit strahlendem Lächeln. „Er war von ganzem Herzen Pilot.“

Bald sind sechs Jahre vergangen, als der Stabshauptmann und sein Kamerad Major Jan Färber in Mali tödlich verunglückten. Die Piloten aus der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne waren Ende Juli 2017 für die UN-Mission MINUSMA in Westafrika und flogen einen Tiger-Kampfhubschrauber. Fehler haben sie selbst nicht gemacht, sagt ein Bericht der Flugsicherheit der Bundeswehr.

Bundewehr-Piloten hatten keine Chance: Falsche Einstellungen am Hubschrauber führten zum Absturz

Grund für den Absturz waren falsche Einstellungen, die Mechaniker des Tiger-Herstellers Airbus an dem Helikopter vorgenommen haben. Die zwei erfahrenen Männer im Hubschrauber hatten keine Chance.

Dass die Müllers nach Mali reisten, hängt eng zusammen mit einer Begegnung bei der Trauerfeier für die beiden Soldaten im Fritzlarer Dom. Dort war auch die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu Gast. „Als ich mit ihr gesprochen habe, hat sie erzählt, dass sie erst kürzlich in Mali war“, erinnert sich Daniela Müller. Sie sagte zur Ministerin: „Da möchte ich hin“, den Ort besuchen, an dem ihr Mann verunglückte.

„Wie im Film“ - drei Tage mit der Bundeswehr in Mali

„Im September waren wir dann in Mali.“ Drei Tage besuchte die Familie das Land in Westafrika, verbrachte Zeit im Camp und hatte die Gelegenheit, die Absturzstelle zu besuchen. Der Hinflug von Deutschland aus ging bis in die Hauptstadt Bamako, von dort aus reiste die Familie dann mit einem kleinen Flugzeug in die Provinz Gao, dort, wo sich das Camp Castor befindet.

„Für mich war das damals wie in einem Film“, sagt Tochter Kimberly Müller. Mit Schutzwesten und in Begleitung von bewaffneten Soldaten gelangte die Familie vom Flugfeld ins Camp. Und dort, in der Wüste, entstand dieses Bild, das den Mut der Familie dokumentiert, an den Ort zu gehen, an dem ihr Ehemann und Vater starb.

„Eine wirklich tolle Geste“: Besuch an der Absturzstelle in Mali war mit Hindernissen verbunden

„Ich habe auf dem Hinflug viel geweint“, erinnert sich Daniela Müller. „Beim Nase Schnäuzen ist mir dann im Flugzeug das Trommelfell geplatzt.“ Das machte den Besuch an der Absturzstelle immer unwahrscheinlicher, denn der dazu nötige Flug mit Hubschraubern sei so nicht möglich.

Am Ende klappte es doch – nur im Tiefflug, wegen des geplatzten Trommelfells. „Das war eine wirklich tolle Geste“, sagt Müller. Denn der Tiefflug sei mit besonderen Risiken verbunden. Alle Soldaten, die dabei waren und das möglich gemacht haben, haben sich freiwillig für die anspruchsvolle Aufgabe gemeldet. „Für mich war es so, als ob Thomas die ganze Zeit dabei gewesen wäre.“

Bild der Familie war Teil des Malwettbewerbs der Bundeswehr

Dass das Foto Vorlage für das Gemälde wurde, das nun Teil der Ausstellung „Bilder der Seele“ ist, hängt auch eng mit der Bundeswehr zusammen. Das Gemälde stammt von Joanna Kujawa, die zur Zeit der Entstehung beim Landeskommando Hessen angestellt war.

Kujawa wollte im Jahr 2018 beim Kunstwettbewerb der Bundeswehr teilnehmen und war fasziniert von dem Motiv. Auch beim Wettbewerb ging es um das Thema Mut. „Sie hat das Foto gesehen und mich angeschrieben“, erinnert sich Müller. „Auch wenn das Bild nicht gewonnen hat, bekommt es durch die Ausstellung viel Öffentlichkeit.“

Kam beim Absturz in Mali ums Leben: Stabshauptmann Thomas Müller.
Kam beim Absturz in Mali ums Leben: Stabshauptmann Thomas Müller. © Privat

Wenn es nicht ausgestellt wird, bewahrt Daniela Müller das Bild daheim auf. „Es jeden Tag anzuschauen, das wäre mir aber zu viel“, sagt sie. Das Bild ist auch deshalb wichtig für Daniela Müller, weil so auch Fremde Anteil an der Geschichte nehmen können.

Die enge Verbindung zur Bundeswehr in Fritzlar besteht für die Familie nach wie vor. „Ich bin eine Soldatenfrau“, sagt die 53-Jährige, deren Leben seit Jahrzehnten vom Beruf ihres Mannes geprägt ist. Mit 18 Jahren lernten sie sich kennen. „Thomas hat mir damals noch im Kinderzimmer gesagt, dass er unbedingt Pilot werden möchte“, erinnert sie sich. Einfach ist ein Besuch in der Kaserne für Müller nicht immer. „Vorher geht es mir meistens schlecht“, sagt sie. „Aber es ist wichtig, da zu sein“, es geht ihr darum, die Erinnerung wach zu halten. (Daniel Seeger)

Die Ausstellung „Bilder der Seele“ ist noch bis zum Monatsende im Fritzlarer Soldatenheim zu sehen.

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