Angst vor dem Wolf auf der Ableitenalm
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Angst vor dem Wolf auf der Ableitenalm: Drei Schafe gerissen

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Von: Christina Jachert-Maier

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Sorgt immer wieder für Diskussionen: Der Wolf. Foto: dpa
Auf der Ableitenalm wurden drei Schafe gerissen. Vieles deutet darauf hin, dass ein Wolf die Tiere getötet hat. © Lino Mirgeler/dpa

Drei tote Schafe hat Almbauer Hans Kiening nahe seiner Ableitenalm gefunden, drei weitere vermisst er. Kiening ist überzeugt: Ein Wolf hat die Tiere gerissen.

Rottach-Egern – Die Ableitenalm liegt südlich des Risserkogels in 1454 Metern Höhe. Sie gehört zum traditionsreichen Schlemmhof am Fuße des Wallbergs in Rottach-Egern, den die Familie Kiening betreibt. 50 Rinder und 17 Schafe hat Bauer Hans Kiening zum Beginn der Almsaison dorthin gebracht. Am Donnerstag fehlten sechs Schafe. Die Sennerin fand ein totes Tier, schlimm zugerichtet. „Ich habe dann in der weiteren Umgebung gesucht und noch zwei gerissene Schafe gefunden“, berichtet Kiening. Er ist sicher, dass ein Wolf sie getötet hat: „Die Rippen sind wie abgeschnitten. Das ist typisch für den Wolf, weil er an die Innereien will.“

Außerdem komme eigentlich auch kein anderer Beutegreifer in Frage, meint Kiening. „Für den Fuchs sind die Schafe zu groß und für einen wildernden Hund sind wir zu weit oben.“ Die DNA für einen Nachweis zu nehmen, sei leider nicht mehr möglich, merkt der Bauer an. „Es hat ja schon draufgeregnet.“

Drei weitere Schafe werden vermisst

Drei Schafe vermisst Kiening noch. Vielleicht hat sie ebenfalls der Wolf geholt, vielleicht sind sie auch in Panik geflüchtet und abgestürzt. „Die Rinder sind zum Glück etwas weiter unten“, erklärt Kiening. Da sei es sicherer. Was bleibt, ist das Unbehagen. „Vor allem für meine Sennerin ist es schlimm“, weiß Kiening. Sie müsse schließlich allein durchs Gelände streifen, um nach den Tieren zu sehen. Die Vorstellung, dass da irgendwo noch der Wolf lauert, macht Angst. Auch wenn es heißt, dass der Graue vor Menschen eher flüchtet als anzugreifen. Doch was, wenn der Wolf sich bedroht fühlt? „Da wird einem schon mulmig“, meint Kiening. Er hatte bei der Suche nach den verlorenen Tieren Schussapparat und Verbandszeug dabei: „Das ist nicht lustig.“ Ähnliches hat Kienings Familie übrigens bisher nicht erlebt.

„Der Wolf darf sich bei uns nicht ansiedeln“

Die Nachricht vom mutmaßlichen Wolfsriss auf der Ableitenalm hat im Tegernseer Tal schnell die Runde gemacht. „Es darf nicht sein, dass sich der Wolf bei uns ansiedelt“, sagt Bezirksalmbauer Anton Maier. Es ist die Forderung, die er nun schon seit Jahren wiederholt. Erst am Donnerstag war sie Thema beim internationalen Alpengipfel am Spitzingsee. „Auf der einen Seite vom Berg reden sie, auf der anderen sammeln wir die Kadaver ein“, resümiert Maier. Er hat Fotos der zerfetzten Schafe gemacht, die niemand gerne ansieht. „Aber uns mutet man das zu“, meint der Bauer. Anders als bei den Massentierhaltungen habe ein Landwirt in den Bergen einen echten Bezug zu seinen Tieren: „Die Viecher liegen uns schon sehr am Herzen.“

Auch Maier hat wenig Zweifel daran, dass ein Wolf die Schafe an der Ableitenalm gerissen hat. Erst vor Kurzem, sagt er, sei vermutlich ein Wolf im Valepper Tal gesichtet worden. Deutschlandweit gebe es inzwischen fast 2000 Wölfe: „Uns es werden immer mehr.“

Info-Veranstaltung in der Oberlandhalle

Leider, so Maier, sei die Politik beim Bestreben, den Schutzstatus der Wölfe zu senken, kaum vorangekommen. Immerhin habe auf sein Betreiben hin im Landkreis endlich ein Runder Tisch zum Thema Wolf stattgefunden. Vertreten waren dort die Bauernverbände, Kommunen, das Landratsamt, die Tourismusverbände, aber auch der Tierschutzverein Tegernseer Tal und der Landesbund für Vogelschutz. Ein Ergebnis ist eine Info-Veranstaltung für alle Bürger in der Miesbacher Oberlandhalle am Donnerstag, 7. Juli, um 20 Uhr. Dort wird der Biologe Marcus Züger über die Erfahrungen mit dem Wolf in der Schweiz sprechen. Die Entwicklung des Wolfsbestands in Bayern, so die Annahme, dürfte ähnlich verlaufen. Titel des Vortrags: Erhalt der Weide- und Almwirtschaft. Maier hofft, dass nicht nur Landwirte kommen, sondern auch Menschen, die ihre Nöte bisher nicht nachvollziehen können: „Die Lage ist ernst.“

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