Spektakuläre Lichteffekte
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Spektakuläre Lichteffekte

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Die Stiftsruine bietet Platz für gut 1200 Zuschauer. Foto: Bad Hersfelder Festspiele/Steffen Sennewald
Die Stiftsruine bietet Platz für 1200 Zuschauerinnen und Zuschauer. © Bad Hersfelder Festspiele/Steffe

Bei den 71. Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine pulsiert das Leben bis in die Nacht hinein

Im Jahr 1951 gegründet, gehören die Bad Hersfelder Festspiele zu den renommiertesten Freilichtbühnen im deutschsprachigen Raum. Gern auch das „Salzburg des Nordens“ genannt, haben die Hersfelder Festspiele von Anfang an die Nähe zur österreichischen Festspielstadt gesucht, stammt doch der erste Intendant – Johannes Klein, ein Schüler Max Reinhardts – aus Salzburg.

Auf Initiative der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine setzte Klein damals im weitläufigen Kirchenschiff Hugo von Hoffmannsthals „Das Salzburger große Welttheater“ in Szene.

Bereits ein Jahr später wurden – wie heute immer noch – drei Produktionen gezeigt. Hoffmannsthals „Jedermann“ und „König Ödipus“ von Sophokles ergänzten das Programm, das von nun an bis 2009 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stand. Theodor Heuss, Richard von Weizsäcker, Johannes Rau und Joachim Gauck: Sie alle ließen es sich nicht nehmen, während ihrer Amtszeit zur Eröffnung der Festspiele zu kommen, bei der für die prominenten Zuschauer gern der rote Teppich ausgerollt wird und viele Zaungäste ihren Weg zum Eingang säumen, um einen Blick auf sie zu erhaschen.

Für ihre atemberaubenden Choreografien erhält die Tanzcompagnie des Musicals „Goethe!“ den Großen Hersfeldpreis 2022. Foto: Bad Hersfelder Festspiele/Steffen Sennewald
Für ihre Choreografie erhält die Tanzcompagnie des Musicals „Goethe!“ den Großen Hersfeldpreis 2022.  © Bad Hersfelder Festspiele/Steffe

Die Festspiele sind fest verankert in der Stadt. Den besten Beweis dafür liefern die zahlreichen Statisten aus dem Ort, von denen einige schon seit Jahren bei den Aufführungen mitwirken. Von Anfang an mit von der Partie ist Hans-Joachim Dietz. Wenn er nicht als stummer Lehrer im „Club der toten Dichter“ auf der Bühne steht, genießt der 82-Jährige gern die ganz besondere Festspielstimmung vor der Vorstellung bei einem kühlen Getränk. Dabeisein bedeutet ihm alles – und das seit 1951.

Bad Hersfelder Festspielen: Das Ensemble steht manchmal im Regen

In diesem Sommer haben die Statistinnen und Statisten in der Neuproduktion „Notre Dame“ ihren ganz großen Auftritt. Als Bettler, Ganoven und Huren bevölkern sie die aufwendige Szenerie in der Romanadaption von Victor Hugos Welterfolg „Notre-Dame de Paris“, in der Intendant Joern Hinkel alle Register seiner Regiekunst zieht. Zum ersten Mal wird hier eine neue Videotechnik eingesetzt, die nach der Pause in tiefschwarzer Nacht die Fassade der Pariser Kathedrale in die Apsis der ehemaligen Benediktinerabtei zaubert. Spektakuläre Lichteffekte, die so noch nie in der Stiftsruine zu sehen waren.

Auch die Besetzung überzeugt. Richy Müller, dem Fernsehpublikum als „Tatort“-Kommissar aus Stuttgart bekannt, wechselt diesmal die Seiten und gibt den bösen Pater Claude Frollo, der die von ihm begehrte junge Tänzerin Esmeralda – anmutig dargestellt von Catherine Sophie Dumont – ebenso in den Tod treibt wie deren Beschützer Quasimodo, den Robert Nikisch mit viel Mut zur Hässlichkeit verkörpert. Für seine Darstellung erhielt Nikisch in diesem Jahr den Hersfeldpreis, ebenso wie seine Kollegin Karla Sengteller als Ziege Djali, die beide in ihren mehr und minder stummen Rollen durch ihre beeindruckende Bühnenpräsenz und ihr emotionales Spiel anrühren.

Für die jüngeren Zuschauenden hat Hinkel, der seit 2018 erfolgreich die Festspiele leitet, übrigens eine eigene Version des historischen Stoffs erarbeitet. „Der kleine Glöckner“ ist als Stück für die gesamte Familie gedacht.

Ein Wiedersehen gibt es mit Götz Schubert, der im Wechsel mit Michael Rotschopf als unkonventioneller Lehrer John Keating in „Der Club der toten Dichter“ seine Schülerinnen und Schüler zum eigenständigen Denken und Handeln ermuntert. Für diese Rolle erhielt Schubert im vergangenen Jahr den Großen Hersfeldpreis, der seit 1962 vom Verein der Freunde der Stiftsruine verliehen wird.

Die Preisträger klingen wie das „Who’s who“ der deutschen Schauspielstars: Mario Adorf, Volker Lechtenbrink, Michael Degen, Will Quadflieg, Nicole Heesters, Eva Pflug, Rufus Beck und Musicalsängerin Helen Schneider, um nur einige zu nennen. Trotz beachtlicher Karriere bei Film und Fernsehen haben sie es sich nicht nehmen lassen, in Bad Hersfeld zu ihren Wurzeln, dem Theaterspiel, zurückzukehren. Gut 1200 Plätze bietet die Tribüne, die Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen seit 1968 vor Regen geschützt unter einem Zeltdach. Die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine hatte damals einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben und der Zuschlag ging an den visionären Architekten Frei Otto – vier Jahre, bevor er sein berühmtes Zeltdach im Münchner Olympiastadion errichtete.

Ihr stummes Spiel rührt an und wird mit dem Hersfeldpreis ausgezeichnet: Robert Nikisch als Quasimodo und Karla Sengteller als Ziege Djali in „Notre Dame“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. Foto: Bad Hersfelder Festspiele/Steffen Sennewald
Robert Nikisch als Quasimodo und Karla Sengteller als Ziege Djali in „Notre Dame“.  © Bad Hersfelder Festspiele/Steffe

Das Ensemble steht aber weiterhin im Regen, denn nicht jede Sommernacht während der Vorstellungszeit im Juli und August zeigt sich von ihrer lauschigen Seite. Davon lässt sich jedoch kein Profi abhalten. Die Sänger und Sängerinnen des Musicals „Goethe!“ jedenfalls tanzen sich in atemberaubenden Choreografien von Kim Duddy die Seele aus dem Leib und überschwemmen das begeisterte Publikum mit einer Welle von optischen und akustischen Reizen.

Das weiß auch die fünfköpfige Fachjury zu würdigen und zeichnet die Tanzcompagnie unter Dance Captain Jurriaan Bles für ihre akrobatische und energiegeladene Körperbeherrschung mit dem Großen Hersfeldpreis 2022 aus.

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