Was Sie heute wissen müssen Heizen oder Essen | Merz will fracken | Tripper auf dem Vormarsch

Eine Kolumne von Joachim Braun
 | 21.09.2022 06:26 Uhr  | 0 Kommentare  | Lesedauer: ca. 6 Minuten
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Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.

Kaum fassbar, wie weit die Koalitionäre in Berlin entfernt sind von den Alltagssorgen der Bürgerinnen und Bürger. Lebensmittel werden von Tag zu Tag teurer, auch die Energiepreissteigerungen kommen Schritt für Schritt bei den Bürgern an, aber in Berlin wird gezaudert und vertagt. Statt Bedürftigen und Familien mit einer monatlichen Unterstützung zu helfen, so wie es Wirtschaftsexperten vorschlagen, bleiben die Betroffenen mit ihren Sorgen allein - und das trotz milliardenschwerer Entlastungspakete. Wie groß die Probleme inzwischen sind, zeigt das Beispiel einer Rentnerin in Ostfriesland, mit der Andreas Ellinger gesprochen hat.

Trotz der relativ komfortablen Monatsrente von über 2000 Euro, steckt sie nun tief in der - verzeihen Sie bitte - Scheiße. Auf 1727 Euro im Monat berechnete ihr Energieversorger den monatlichen Abschlag für die Mietwohnung in einem Bauernhof. Heizen oder Essen, kann das wirklich eine Alternative in einem „reichen Land“ sein, von dem Bundeskanzler Olaf Scholz immer wieder spricht? Trotz einiger Besonderheiten ist dies ja kein Einzelfall. Es ist was faul im Staate ...

„Alleinstehenden älteren Damen“ will Johanne Modder, Leeraner Kreistagsabgeordnete, nun immerhin mit dem neuen Härtefallfonds helfen, den der Landkreis jetzt beschlossen hat. „Kurzfristig und unkompliziert“, wie die noch amtierende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion ankündigt. Alle Fraktionen haben dem Hilfsprogramm zugestimmt, berichtet Karin Lüppen. Mal sehen, was daraus wird.

Ausgehend von dem Fall der alten Dame hat Andreas Ellinger weiter recherchiert und die Frage gestellt, wie viel nicht wärmegedämmter Wohnraum in Ostfriesland faktisch unbewohnbar wird, angesichts der Heizkosten-Explosion. Eine Frage, die nicht zu beantworten ist, denn es gibt im durchbürokratisierten Deutschland keine Datenbank, in der der Energieverbrauch von Immobilien registriert ist. Und das, obwohl es seit Jahren für jede Immobilie eine entsprechende Berechnung gibt. Andreas hat trotzdem fleißig gerechnet und kommt bei einer unsanierten Wohnung für eine vierköpfige Familie auf über 500 Euro Heizkosten im Monat. Lesen Sie selbst.

Da kommt nun CDU-Chef Friedrich Merz ins Spiel und holt einen Uralt-Vorschlag aus der Mottenkiste. Fracking, in Niedersachsen und Ostfriesland. Unsere Region eignet sich nämlich laut CDU-Chef besonders, denn Merz will dicht besiedelte Gebiete verschonen. Was aber sagen ostfriesische Abgeordnete zu solchen Vorschlägen? FDP-Abgeordnete Hilgriet Eilers will’s wenigstens prüfen lassen, alle anderen sind strikt dagegen, selbst Merz‘ Parteifreund Ulf Thiele: „Diese Methode ist umstritten, gesellschaftlich kaum akzeptiert und bundesweit verboten.“ Tobias Rümmele hat mit den Abgeordneten gesprochen.

Seit gestern Nachmittag liegt das Ergebnis der Obduktion vor: Demnach ist die 20-jährige Auricherin, die am Montagmorgen in einer Wohnung in der Popenser Straße tot aufgefunden wurde, durch Gewalteinwirkung gestorben. Dringend tatverdächtig ist der 27-jährige Lebensgefährte. Er sitzt in Untersuchungshaft. Grit Mühring hat zusammengefasst, was bisher bekannt ist.

Entsetzt über den Todesfall sind die Nachbarn. „Es ist ein Schock. Ich habe zuerst eine Freundin angerufen“, sagt eine Frau, mit der Lars Löschen gesprochen hat. Einem anderen Anwohner ist zuletzt erhöhte Polizeipräsenz im Viertel aufgefallen. „Viele halten sich hier nicht an die Regeln, aber mit so etwas rechnet keiner“, sagt er. Er mache sich Sorgen um die Sicherheit seiner Familie.

Nicht zu Unrecht, wie ein Blick zurück zeigt: Der jüngste Todesfall ist nun schon die dritte schlimme Gewalttat im Viertel. Am 21. Juni 2017 war in der nahen Von-Bodelschwing-Straße eine 26-Jährige aus Eifersucht von ihrem ehemaligen Lebensgefährten erwürgt worden – vor den Augen ihrer drei gemeinsamen Kinder im Alter von zwei, drei und vier Jahren. Am 5. April 2018 hatten die drei Männer in der Dwarsglupe einen gehbehinderten 62-jährigen Mittrinker ermordet, weil er die Geheimzahl seiner Bankkarte nicht verraten wollte. Nicola Böning hat beide Fälle nachrecherchiert.

Die Bewegung „Animal Rebellion“ („Tier-Rebellion“) hat angekündigt, wie Daniel Noglik gestern erfuhr, in der „Umgebung von Oldenburg“, einen „Produktionsort der Milchindustrie zum Stillstand zu bringen“ - so wie jüngst schon in England. Mindestens drei Molkereien kommen in Frage, hat Daniel erfragt. Wie auch die Polizei sind sie ob der Drohungen wachsam. Da bleibt nur Abwarten.

Hätten Sie das gedacht? Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch, europaweit, aber auch in der Region. Jugendliche haben sich in Ostfriesland vermehrt infiziert. Der Leeraner Urologe Arnold Schwegmann merkt es in der eigenen Praxis. „Infektionen mit Gonorrhö, Syphilis, Chlamydien oder Ureoplasmen sind inzwischen relativ häufig – insbesondere unter jungen Leuten.“ Was das für die Betroffenen bedeutet und was man tun kann, das hat Ole Cordsen für unsere Serie „Ostfriesland intim“ recherchiert.

Samtgemeinden sind eine Spezialität von Niedersachsen. Es gibt diese Form von Kommune in keinem anderen Bundesland. Welche Vorteile haben Samtgemeinden und welche Nachteile? Ist dieses Konstrukt vielleicht ein Auslaufmodell? Karin Lüppen hat sich mit dem Thema befasst, für unsere Serie aus Anlass von „50 Jahren Gebietsreform“.

Zeitungsredaktionen sind ein ziemlich homogener Haufen, überall in Deutschland und das seit Jahrzehnten. Deutsche ohne Migrationshintergrund, Mittelstandskinder mit akademischer Ausbildung, sind die Regel. Die Vielfalt unserer Gesellschaft spiegelt das nicht wider. Umso mehr hat mich gefreut, als sich vor einiger Zeit Suada Tema bei uns meldete. Die selbstbewusste, junge Frau arbeitete als Journalistin in Albanien, wurde dort gefeuert, als sie einem korrupten Lokalpolitiker zu nahe kam und suchte einen Neuanfang in Ostfriesland. Seit sieben Jahren lebt sie mit ihrem Mann hier, spricht fehler- und (fast) akzentfrei Deutsch, hat ein Kind geboren und einen Teilzeit-Job gesucht. Die örtlichen Ausländerbehörden haben es ihr dabei nicht leicht gemacht. Allzu gerne würde sie wieder als Journalistin arbeiten. Ihr erster Artikel über ihren Neuanfang in Ostfriesland hat uns sehr gefallen. Was meinen Sie?

Was heute wichtig wird:

  • Das Unternehmen Top7 siedelt sich in Ostfriesland an. Auch die Hochschule unterstützt mit Mitteln aus dem Ostfriesland-Plan. Was haben die Partner vor? Michael Kierstein hat sich mit ihnen unterhalten.
  • In Warsingsfehn soll ein Calisthenics-Park mit Spielgeräten für Erwachsene errichtet werden. Während der Bürgermeister begeistert ist, ärgern sich die Grünen. Karin Lüppen hat sich beide Seiten angehört.
  • Und plötzlich ging es los: Eine Wiesmoorerin hat ihr Baby auf einem Parkplatz zur Welt gebracht. Es war das erste Kind seit zehn Jahren, das in Wiesmoor geboren wurde. Oliver Bär trifft Familie und Helfer.
  • Der Bundesverband Offshore hat eine neue Studie erarbeiten lassen. Sie zeigt, wo all die neuen Windparks in der Nordsee gebaut werden sollen. Imke Oltmanns stellt die Ergebnisse vor.
  • In Petkum lebt eine Kolonie Gänse mitten in einem Neubaugebiet. Alle Versuche, die Vögel umzuquartieren, scheiterten. Nun geht es um ein Bleiberecht. Gordon Päschel schaut der Sache unter die Federn.
  • „Von O bis O“: Es wird wieder Zeit für den Reifenwechsel. Claus Hock hat mit Experten aus der Region gesprochen: Wie voll sind die Werkstätten? Gibt es auch bei Reifen neuerdings Engpässe oder Preisexplosionen?