„Einfach nein“: Ärger wegen „Gendertoilette“ am Viktualienmarkt
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„Einfach nein“: Ärger wegen „Gendertoilette“ am Viktualienmarkt

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Die Toiletten am Viktualienmarkt sorgten in den vergangenen Tagen für allerlei Aufregung. Die „Frauen Aktion München“ klagte in einem Protestbrief über die Geschlechtertrennung.

München – Ende September 2022 eröffnete die neue Toiletten-Anlage am Viktualienmarkt, samt barrierefreier Kabine. In den letzten Tage hat das WC für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt. Nach einem Protestbrief der „Frauen Aktion München“, welche sich für Frauenbelange einsetzt, wurde die Beschilderung an den Kabinen der Toiletten angepasst – und sorgte damit nochmals für Unverständnis.

„Inklusive Gendertoilette“: Journalistin kritisiert Unisex-Toilette

Vorausgegangen war ein Post der Journalistin Julia Ruhs in den sozialen Netzwerken, welche in den öffentliche rechtlichen Rundfunkanstalten für ihre konservativen Ansichten bekannt ist. „Das Frauen-WC am Münchner Viktualienmarkt ist jetzt wirklich eine inklusive Gendertoilette“, schrieb sie auf X (ehemalig Twitter). „Hab beim Vorbeilaufen mal nachgeguckt. Jeder, der sagt, er ‚identifiziert‘ sich als Frau, kann theoretisch jetzt rein. Die Männer haben noch ihre eigene Toilette. Willkommen im 21. Jhd“.

Bis vor einigen Tagen sah die Lage noch so aus: An einer der Türen hing das Piktogramm, welches die barrierefreie Toilette kennzeichnet, an einer weiteren ein stilisierter Mann und an der dritten Tür, eine Frau und ein „All-Gender-Piktogramm“. Darüber stand gekritzelt: „All genders“. Das passte nicht nur der Journalistin nicht. „Frauen Aktion München“ schrieb daraufhin einen Protestbrief an Oberbürgermeister Reiter.

Toilettenpiktogramm zeigt „Frauen-WC“ und „All-Gender-WC“.
Das Toilettenpiktogramm steht für „Frauen-WC“ und „All-Gender-WC“. © IMAGO/Rainer Weisflog

Protestbrief führt zu Änderung der Beschilderung

„Als Frauenrechtsorganisation sehen wir mit Bestürzung, wie Frauenschutzräume mehr und mehr verschwinden und Männern zugänglich gemacht werden“, heißt es zu Beginn des Schreibens vom 11. Mai. Dass die Frauentoilette auf dem Viktualienmarkt schon länger Männern offen stehe, die ausschließliche Männertoilette aber als solche bestehen bleibt, verurteilt die Organisation als „Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen“. Frauen haben besondere Bedürfnisse, die auf der Toilette mehr Zeit erfordern. „Frauen und Mädchen müssen sich mehr entkleiden, sie nutzen Menstruationsprodukte, es sind häufig sie, die Kinder auf die Toilette mitnehmen müssen“, heißt es weiter. Sie forderten daher eine Nachbesserung der Lage.

Die Schilder wurden in den vergangenen Tagen tatsächlich geändert. Nun prangen an den Türen Piktogramme, die sowohl ein Pissoir, als auch eine Kloschüssel zeigen. Beide Toiletten sind somit jetzt als Unisex-Toiletten ausgewiesen.

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„Einfach Nein“: Unisex-Toilette wird abgelehnt

Ein Stadtratsbeschluss wurde als Grund für die Unisex-Toiletten genannt, man wolle Diverse berücksichtigen. Eine „vollautomatische, behindertengerechte Unisex-Toilette“ wurde als Ausstattungsstandard für neue Toiletten-Anlagen festgelegt.

„Bei Neubau einer Toilettenanlage ist der Beschlusslage nach zu entnehmen, dass nur noch behindertengerechte Toiletten und Unisex Toiletten favorisiert werden. Dies ist unseres Erachtens aus oben erwähnten Gründen nicht hinzunehmen“, heißt es von „Frauen Aktion München“.

Die Änderung der Beschilderung stellte die Organisation daher nicht zufrieden. Ein Bild der neuen Anlage kommentiert „Frauen Aktion München“ auf X mit den Worten: „Einfach Nein.“

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