Baerbock vor der Europawahl 2024: Seitenhieb gegen Habeck
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Baerbock und die K-Frage – ein subtiler Seitenhieb gegen Habeck lässt Spekulationen aufkommen

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Annalena Baerbock und Bundeswirtschaftsminister und Robert Habeck wollen nicht erneut für den Parteirat kandidieren.
Annalena Baerbock und Robert Habeck – 2021 ließ er ihr den Vortritt in der K-Frage.. © IMAGO/Emmanuele Contini

Den Grünen drohen nach der Europawahl 2024 turbulente Tage. Über allem schwebt die Frage: Steht Annalena Baerbock erneut für die Kanzlerinnenkandidatur bereit?

Köln – Die Tage vor der Europawahl 2024 sind für die Grünen turbulent. Gerüchte über ein neues EU-Amt für Außenministerin Annalena Baerbock sorgten für erheblichen Wirbel im politischen Berlin. Auch die aktuellen Umfragewerte für die Europawahl am Sonntag dürften die Grünen-Führung nicht glücklich stimmen. Ein Ergebnis unter dem Niveau von vor fünf Jahren wäre eine herbe Niederlage – und könnte die Kanzlerambitionen der Klima-Partei beeinträchtigen. Trotzdem scheint Baerbock nicht aufzugeben und plant offenbar im Hintergrund einen neuen Anlauf für die Kanzlerkandidatur. Beim Wahlkampfabschluss der Grünen in Köln schürte die 43-Jährige selbst die Gerüchteküche.

„Wenn man im Team agiert“: Spekulationen vor der Europawahl um Rolle von Baerbock und Habeck

Die Veranstaltung in Köln verlief für die Grünen planmäßig. Kritische Sprechchöre gegen die Positionen der Partei im Ukraine-Krieg oder zur Lage in Palästina blieben diesmal aus. Für Annalena Baerbock brachte der Tag jedoch ein besonderes Momentum: Habeck musste seine Teilnahme an der Europawahl-Veranstaltung kurzfristig absagen – angeblich aufgrund von Verpflichtungen in der Ampel-Koalition.

Baerbock nutzte die Gelegenheit, um subtil gegen Habeck zu sticheln – ein Korrespondent der Welt überlieferte ihre Worte im Detail. Sie rief ihren Anhängern zu: „Und Robert Habeck – das ist das Schöne, wenn man bei Bündnis 90 / Die Grünen im Team agiert – ja? – dann können zwei Minister gleichzeitig in Berlin und Nordrhein-Westfalen sein und sagen eigentlich genau das Gleiche.“ Das kaum wahrnehmbare „ja?“ wird von Beobachtern als Seitenhieb interpretiert, der auf Baerbocks Ambitionen für die Kanzlerkandidatur hindeuten könnte. Die Gerüchteküche um einen Machtkampf zwischen Baerbock und Habeck brodelt jedenfalls unmittelbar vor der Europawahl 2024.

„Ich kann auch Pokerface“: Baerbock über ihre Art der Diplomatie

Ob dieser Satz zufällig fiel? Annalena Baerbock weiß sehr genau, was sie tut und sagt: Diese Woche verteidigte sie ihre oft als undiplomatisch kritisierte Art der Diplomatie. Auf einer Veranstaltung in Düsseldorf betonte sie, dass die Stärke ihrer Diplomatie darin liege, die gesamte Bandbreite an Ausdrucksformen nutzen zu können: „Mal die leisen Töne, mal die lauten Töne“, sagte die Grünen-Politikerin. „Ich glaube nicht, dass Weggucken ein Zeichen von Stärke ist.“ Ihrer Erfahrung nach beobachten bestimmte Akteure genau, ob man sich wegducke oder nicht.

Beim „Ständehaus-Treff“ der Rheinischen Post wiederholte sie ihre Aussage, dass Russlands Außenminister Sergei Lawrow ihr im Gespräch über den Ukraine-Krieg „ins Gesicht gelogen“ habe. Auch im vergangenen September äußerte sich Baerbock deutlich über den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping: In einem Interview mit dem US-Sender Fox News bezeichnete sie ihn als Diktator, was ihr viel Kritik einbrachte.

Es gehe ihr um die Glaubwürdigkeit Deutschlands, betonte die Außenministerin. „Das größte Gut unseres Landes ist, dass wir unglaublich viel Vertrauen genießen.“ Wenn sie zu falschen Behauptungen schweigen würde, „würde ich als normaler Zuhörer das als Zustimmung sehen“, erklärte sie ihre Haltung. Aber sie könne auch anders: „Ich kann auch Pokerface und ich kann auch sehr lange schweigen.“

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