Deutscher Bundestag - Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses 2021 bis 2024
18.04.2024 Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung — Unterrichtung — hib 249/2024

Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses 2021 bis 2024

Berlin: (hib/CHA) Die Anzahl der Studierenden in Deutschland ist leicht rückläufig. Dieser Trend zeigt sich auch bei den Zahlen der Studienanfänger. Das wird aus der Unterrichtung (20/10945) durch die Bundesregierung mit dem Titel „Bericht der Bundesregierung über die Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses 2021 bis 2024“ deutlich. Dem Bericht zufolge ist der Rückgang der Studierendenzahlen demografisch bedingt.

Im Wintersemester 2022/2023 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2.920.263 Studierende an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. Zwei Jahre zuvor im Wintersemester 2020/2021 waren es 2.944.145 Studierenden.

Die Zahl der aus dem Ausland kommenden Studienanfängerinnen und -anfänger in Deutschland erreichte dafür mit 92.952 Personen zum Semesterstart 2022/2023 einen neuen Spitzenwert, wie ebenfalls aus Angaben des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Der Bericht der Bundesregierung zeigt zudem, dass das Studienangebot an den deutschen Hochschulen mittlerweile überwiegend durch international vergleichbare Bachelor- und Masterstudiengänge geprägt ist - sie machen 91,2 Prozent der Studiengänge in Deutschland aus. Studiengänge, die in Deutschland bisher nicht zu einem Bachelor- oder Masterabschluss führen, sind insbesondere Jura, Medizin oder Pharmazie, heißt es in dem Bericht. Die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und Studienabschlüssen in der europäischen Bildungslandschaft war eines der Kernziele der im Bologna-Prozess vereinbarten Reformen.

Ein weiteres übergeordnetes Ziel des Bologna-Prozesses war die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums. In diesem sollte es möglich sein, Teile eines Studiums beziehungsweise das gesamte Studium im Ausland zu absolvieren. Zudem haben sich Bund und Länder eigene Ziele gesetzt: So sollten unter anderem bis zum Jahr 2020 rund die Hälfte derjenigen, die ein Studium in Deutschland abschließen, Erfahrungen im Ausland gesammelt haben. Dieses Ziel konnte bisher nicht erreicht werden. Nach Angaben des vorliegenden Berichts liegt die Zahl der Studierenden, die bis zu ihrem Abschluss Auslandserfahrungen gesammelt haben, bei rund 23 Prozent. Die Erreichung des gesetzten 50-Prozent-Ziels erfordert laut Bundesregierung daher weitere Maßnahmen. So seien Bund und Länder derzeit beispielsweise in Beratungen zu einer neuen Strategie zur Internationalisierung der Hochschulen.

Auch umgekehrt hat die Internationalisierung deutliche Effekte: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Wintersemester 2022/2023 knapp 458.000 internationale Studierende an den Hochschulen in Deutschland eingeschrieben. Das entspreche einem Anteil von 15,7 Prozent aller Studierenden in Deutschland. Wie die Bundesregierung in dem Bericht ausführt, belege Deutschland damit weltweit den dritten Platz bei der Zahl ausländischer Studierender. Noch beliebter seien nur die USA und das Vereinigte Königreich. Hinzu kommen nach Informationen des Statistischen Bundesamtes außerdem 75.223 wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die im Jahr 2021 an deutschen Hochschulen beschäftigt waren, darunter 3.700 internationale Professorinnen und Professoren.

Wie die Bundesregierung in dem Bericht zudem ausführt, setzte sie sich nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine für die Unterstützung ukrainischer Geflüchteter aus dem Hochschulbereich ein. Laut Bericht haben beispielsweise deutsche Hochschulen Räumlichkeiten und Infrastruktur für die Geflüchteten bereitgestellt, damit diese ihr Studium aufnehmen oder fortsetzen können. Auch der Angriff der Hamas auf Israel habe die deutschen Hochschulen vor Herausforderungen gestellt, da es infolgedessen zu einer Zunahme antisemitischer Vorfälle kam. Daraufhin sei von den Wissenschaftsministerinnen und Wissenschaftsministern ein „Aktionsplan gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit“ beschlossen worden, dem sich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung angeschlossen habe.

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