Wasserstoff aus der Wüste: Die Lösung für das Energiedilemma liegt in Australien - FOCUS online
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Gastbeitrag von Walter Kohl und Ben Schulz: Deutscher Wüsten-Wasserstoff: Die Lösung für unser Energiedilemma liegt in Australien
solar photovoltaic renewable energy facility near ayers rock resort in northern territory of australia (jrferrermn)
imago images/jrferrermn Eine Photovoltaik-Anlage in der Nähe des Ayers Rock, Australien.
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Mittwoch, 08.06.2022, 13:48

Der russische Angriff auf die Ukraine und das krachende Scheitern deutscher Politik haben einen energie- und sicherheitspolitischen Scherbenhaufen hinterlassen, der uns teuer zu stehen kommt. Ausgerechnet am anderen Ende der Welt könnten wir jetzt die Lösung für unsere Energiekrise finden.

Aus energiepolitischer Sicht gilt es nun zwei Herausforderungen zu lösen: zunächst eine vollständige Beendigung russischer Energieimporte von Kohle, Öl und Gas und dann die aufgrund des Klimawandels zwingend notwendige Umstellung unseres Landes und unserer Industrie auf grüne, nachhaltige Energieträger.

Kurzfristig müssen Ersatzlieferanten für russisches Öl, Gas und Kohle gefunden werden und mittelfristig müssen Klimaziele so erreicht werden, dass der Industriestandort Deutschland wettbewerbs- und zukunftsfähig bleibt. Für den ersten Schritt, die energiepolitische Entkoppelung von Russland stehen zunehmend neue Lieferanten bereit, z. B. Gas aus Katar oder den USA oder Kohle aus Australien.

Wasserstoff: Liegt die Lösung für Deutschlands Energiekrise in der australischen Wüste?

 

Doch wie soll der Umbau hin zu regenerativen Energieträgern erfolgen? Dazu ein Vorschlag, der Wasserstoff zu einem zentralen Träger der Energiewende machen und zudem potenziell Deutschland zu einem Wasserstoffexporteur machen könnte.

Spannend, aber gerade keine Zeit?

Wie? Die Lösung liegt in Australien. Warum? Weil für die Erzeugung von Wasserstoff vor allem drei Zutaten benötigt werden: Wasser, Sonne und Platz. Australien, insbesondere der Westen und der Norden, bietet alle drei Zutaten im Überfluss, dünn bis gar nicht besiedelte Landstriche von kontinentalen Ausmaßen und vor allem ein politisch stabiles System, das eng mit unseren Werten verbunden ist.

Nun zur Idee: Was wäre, wenn die Bundesrepublik Deutschland im ersten Schritt eine „Deutsche Wasserstoff AG“ (DWAG) gründen würde, die 25- bis 50-jährige Pachtverträge für große Flächen in Australien abschließen würde, etwa in der Größenordnung 35.000 bis 70.000 Quadratkilometer? Zum Vergleich: Baden-Württemberg umfasst ca. 35.747 und Bayern 70.541 Quadratkilometer. Auf diesen Flächen würden dann in großem Stile Solarparks entstehen, die die dort im Überfluss verfügbare Sonnenergie für die Herstellung von Wasserstoff ökologisch und ökonomisch sinnvoll nutzen.

Ukraine-Krieg: Vom Importeur fossiler Energieträger zum Wasserstoffexporteur

 

Eine solche Projektgröße ist einmalig in der Welt und ist eine Chance für deutsche Unternehmen, die besten und wirtschaftlichsten Technologien zu entwickeln. Der so gewonnene Wasserstoff könnte dann in wasserstoffgetriebenen Tankern nach Deutschland, Europa bzw. in alle gewünschten Zielmärkte exportiert werden. Deutschland wäre in weiten Bereichen energieautark und wir hätten aus einem Problem eine Chance gemacht, uns vom Importeur fossiler Energieträger zum Exporteur von Wasserstoff weiterentwickelt.

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IMAGO/YAY Images Wasser, Sonne und Platz. Australien bietet alle Voraussetzungen für die Produktion von Wasserstoff

Über die Autoren

Walter Kohl ist Unternehmer, Autor und Unternehmensberater. Sein Anspruch: Menschen und Organisationen stärken und Deutschlands Unternehmergeist wecken.

Ben Schulz ist „der Resulter“ unter den Beratern. Er ist Sparringspartner für Selbstständige genauso wie für mittelständische Unternehmen, wenn es um deren Positionierung und Strategie in Transformationsprozessen geht.

Gemeinsam podcasten die beiden jeden Sonntag im Mittelstands-Talk „Kohl & Schulz“.

Auch des Deutschen liebstes Kind würde von einem solchen Plan profitieren. Bestehende Dieselinfrastrukturen (Motoren, Tankstellen, etc.) könnten auf Wasserstoff umgerüstet werden, die in Elektromobilität so ökologisch fragwürdigen Batterien würden entfallen, Wasserstofftanken ist schneller als elektrisches Laden. Am Ende würden Natur und Verbraucher von einem echten Wettbewerb aus wasserstoff- und Elektromobilität profitieren. 

Politisch spielen die australischen Wahlergebnisse vom Mai 2022 dieser Idee in die Karten. Die alte, ökologiefeindliche Regierung wurde abgewählt und die neue Regierung unter Anthony Albanese, dem neuen Premierminister, verspricht, Australien zur „Supermacht der Erneuerbaren“ zu machen. Diese australische Zeitenwende kommt nicht von ungefähr, denn auch in „Downunder“ mehren sich die Vorboten des Klimawandels und das Thema Klima war beherrschend im Wahlkampf. Australien, der weltgrößte Exporteur von Kohle, steht vor einer großen Transformation. Es können also Kräfte gebündelt werden, Deutschland und Australien würden eine einzigartige Symbiose erschaffen können.

Nullzinspolitik und Inflation: Auch ein weiteres Problem könnte die Australien-Idee teilweise lösen

 

Und wie soll das alles finanziert werden? Auch dazu ein innovativer Vorschlag. Die DWAG könnte perspektivisch an die Börse gehen sowie Anteile an sorgfältig ausgewählte Technologie-, Logistik- oder Finanzpartner verkaufen.

Auf der Fremdkapitalseite schlagen wir zwei Typen von Wasserstoffanleihen für die Finanzierung der DWAG vor, institutionelle Anleihen und Wasserstoffbürgeranleihen. Die institutionelle Variante ist für Großinvestoren, etwa Fonds, Versicherungen und Banken gedacht. Die Bürgervariante ist nur für Privatpersonen, die deutsche Steuerbürger sind, zugänglich und deren Einlagen und Zinsen werden von der Bundesrepublik garantiert.

Mit einem solchen Bürgerinstrument kann Vater Staat ein weiteres Problem zumindest teilweise lösen, das Drama der schleichenden Enteignung deutscher Sparer durch Nullzinspolitik und Inflation, in dem er nur für die Bürgervariante eine variable Verzinsung z. B. nach einer Formel Inflation plus 3,5 Prozent anbietet. Somit könnten Bürger einerseits in eine gesunde, nachhaltige Zukunft investieren und andererseits würde sich das Thema Altersvorsorge mit einer solchen Bürgeranleihe entspannen, da endlich eine kapitalbildende Lösung als Alternative für die Milliardenbeträge, die auf Sparkonten und in nicht rentierenden Riester-Renten vor sich hingammeln, gefunden wäre.

Sparen würde nicht weiter bestraft und die Menschen könnten in ein Instrument investieren, das quasi mündelsicher ist und unser aller Zukunft dient. Der Staat müsste keine oder nur geringe neue Schulden aufnehmen und das Projekt DWAG würde von Anfang unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt.

Zeitenwende, neue Ideen, anders denken – manchmal liegt die Antwort am sprichwörtlich anderen Ende der Welt. Aber das sollte uns nicht davon abhalten, es zu versuchen. Australien ist immer eine Reise und sicher einen Versuch wert.

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Leser-Kommentare (10)
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Mittwoch, 29.06.2022 | 13:32 | Fränkel David

...

Die Idee ist schon gut aber hat Schwächen. Das wäre zum einen eine gigantische Flotte die nötig wäre und zum anderen lässt sich dieser Versorgungsweg im Falle eines konfliktes sehr leicht blockieren.

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Weitere Kommentare (9)

Sonntag, 12.06.2022 | 18:38 | Peter Lembrecht

Zum Scheitern verurteilt

Das Ganze wird spätestens dann scheitern, wenn etablierte Energiefirmen und Geldgeber z. B. aus den Golfstaaten dort finanziell einsteigen. Deren Ziel ist es schließlich nicht etwa, das Wasserstoffgeschäft zum Erfolg zu führen sondern auf Eis zu legen - sonst wäre mittelfristig ihr Kerngeschäft gefährdet.

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Freitag, 10.06.2022 | 03:46 | Albert Pohl

Wasserstoffproduktion durch Erneuerbare Energien

In sehr sonnenreichen Gebieten herzustellen, ist ein Teil der zukünftigen, weltweiten Energieerzeugung.Unsere Firma baut 2023 in Lateinamerika eine kleine 1-Megawatt Photovoltaikanlage zur Produktion von Wasserstoff auf.Dort haben wir immer 2200 Sonnenstunden im Mittel im Jahr.Nur die Transportkosten kennen wir noch nicht. Erstmal fördern wir dort Gas, wandeln es in LNG um und transportieren es nach Deutschland.Und noch hat sich nicht unsere deutsche Wunschstadt für die Errichtung unseres LNG-Terminals entschieden,obgleich wir viele neue Arbeitsplätze in einer norddeutschen "Armenhaus"region schaffen wollen.Das ist halt die "schnelle" Deutsche Energiewende.Vielleicht sollten wir uns direkt an Dr.Habeck wenden und nicht nur an den dortigen OB, dessen Hilfe leider noch nicht gefruchtet hat.

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Donnerstag, 09.06.2022 | 16:07 | Ibrahim Korkmaz  | 2 Antworten

Hallo Herr Zensurmeister

sagen Sie mal, merken Sie noch was? Meine letzten beiden Beiträge waren absolut Konform der Netiquette. Nur weil ich nicht Ihre Meinung getroffen habe, ist das kein Grund den Kommentar zu sperren. Dies ist immer noch Deutschland und nicht Nordkorea - oder etwa doch?

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  • Montag, 13.06.2022 | 08:13 | Christoph Riedel

    Das

    habe ich auch bereits mehrfach erlebt. Auf meinen Brief, in dem ich auf das hohe Gut der Meinungsfreiheit verwiesen habe, das gerade Journalisten schützen sollten, habe ich trotz mehrfacher Aufforderung nicht ein,als eine Antwort erhalten…

Alle Antworten (1)

Mittwoch, 08.06.2022 | 21:44 | Paul Zahl

Naja, sollte unter "Anzeige" laufen.

jeder Krämer lobt halt seine Ware. war schon immer so. Journalismus sollte objektiv sein. Alles andere wäre subjektive Interessenvertretung.

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Mittwoch, 08.06.2022 | 20:52 | Paul Zahl

Die Lösung, egal für welches Problem,

kann nur in Deutschland liegen. Alles andere ist Abhängigkeit und die sollte man vermeiden. Man sieht, wie schnell sich Zeiten und Umstände ändern können.

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Mittwoch, 08.06.2022 | 19:18 | Jan Rosendahl  | 1 Antwort

Australuen gut, aber wie wäre es mit Island?

Sehr geehrte Autoren, ich habe Ihren Artikel mit großem Interesse gelesen. Australien ist allerdings denkbar weit weg. Wie klingt die Idee mit Hilfe von Geothermie auf der vulkanischen Insel Island den benötigten Wasserstoff herzustellen. Dies wäre dort rund um die Uhr und ohne großen Flächenbedarf möglich. Zudem ist es Teil der europäischen Familie! Das wäre auch für die Kanaren in kleinerem Stil denkbar, in Italien am Ätna, Stromboli, etc.. Was meinen Sie? Beste Grüße, JR

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  • Mittwoch, 29.06.2022 | 13:37 | Fränkel David

    ...

    Dumm ist die Idee ja nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen dass die Isländer bereit sind ihr Eiland mit unseren Fabriken voll zu pflastern. Auch kann der mit Turbinen erzeugte Wasserstoff nicht unser Gas zum Heizen ersetzen, sondern müsste wiederum in Strom gewandelt werden. Die benötigten Mengen und Entfernungen machen es teuer und aufwendig.

Mittwoch, 08.06.2022 | 18:49 | Horst Börner

Australien,

gehts vielleicht noch weiter? Haben die Autoren keine Hoffnung, dass die jetzigen Technologien , wie Solar, Windenergie,Gezeitenkraftwerke immer effektiver werden? Oder gefällt vielleicht das Reiseziel?

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Mittwoch, 08.06.2022 | 15:11 | Anton Schmidtz

Klingt interessant

Eine Interessante Idee, auf jeden Fall besser als Flüssiggas, Öl und Kohle aus Katar, USA, VAE … zu importieren.

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Mittwoch, 08.06.2022 | 14:04 | Stefan Brandner  | 1 Antwort

Und mit welchen mit

Wasserstoff betriebenen Schiffen, kommt der Wasserstoff nach Europa? Wie lange wird es wohl dauern, bis man den Fahrzeugbestand auf Wasserstoff gewechselt hat? Wie versorgen sich Industrie statt mit Gas mit Wasserstoff und wie lange dauert der Wechsel? Welche Heizungen funktionieren mit Wasserstoff? Seit 40 Jahren höre ich GRÜNE ENERGIE und wie weit ist man in der langen Zeit voran gekommen? Ohne die üblichen Energiequellen wird es noch lange nicht funktionieren. Alles schöne Träume, aber kurzfristig alles völlig unrealistisch

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  • Donnerstag, 09.06.2022 | 07:27 | Thomas Rostock

    E Fuel

    ...lässt sich auch so produzieren, damit fahren auch Schiffe, nur wenig Umrüstung notwendig. Was ich mich ehr Frage woher soviel Wasser in der Wüste kommt oder wird der erst am Meer erzeugt. Sinnvoller ist es auf jeden Fall bevor wir Staaten Finanzieren die gegen unsere Lebensweise sind, z.B Blutins Russland oder die Saudis.

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