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VIP-A350: Eine Million Stunden für Deutschlands Mammutprojekt

VIP-A350 von Lufthansa Technik
Deutschlands größtes Regierungsflug-Projekt ist (fast) fertig

Ursprünglich war sie die erste von drei A350, die 2020 an Deutschlands Regierungsflieger ging. Dass sie trotzdem das Kennzeichen 10+03 trägt, hatte einen Grund: Sie musste später nochmal unters Messer. Jetzt ist die A350 "Kurt Schumacher" offiziell zurück. Und das größte deutsche VIP-Flieger-Projekt ist fertig. Vorerst.

Deutschlands größtes Regierungsflug-Projekt ist (fast) fertig
Foto: Patrick Zwerger

Auf der ILA 2024 übergab Lufthansa Technik aus Hamburg am Mittwochnachmittag feierlich das frisch vollendete Regierungsflugzeug A350 10+03 an die Bundesregierung. Wer sich dabei in einem déjà-vu-Erlebnis wähnte, lag gleich doppelt richtig: Zum einen, weil die A350 10+03 tatsächlich schon einmal an die Flugbereitschaft übergeben wurde, und zwar am 20. August 2020 auf dem Flughafen Hamburg. Und zum anderen, weil Lufthansa Technik auch bei der vergangenen ILA-Auflage 2022 einen neuen Jet an die Regierungsflieger überreichte. Damals handelte es sich jedoch nicht um eine A350, sondern um eine A321LR.

ILA 2024 Show News
Deutschlands A350-Regierungsflieger 10+03 ist zurück.
Patrick Zwerger

Die A350 10+03 erhielt in Hamburg nicht nur ihre finale Kabine, sondern auch den modernisierten Anstrich mit der serifenlosen Schriftart "Bundes Sans".

A350 versus F-35A

Was damals aber eindeutig anders war: Im Hintergrund flog keine F-35A herum und hüllte die komplette Szenerie in einen Klangteppich aus Donnergroll. Dieses Mal mussten sich die Redner auf der kleinen Bühne vor der A350 ordentlich ins Zeug legen, um akustisch gegen das Display des brachial lauten Tarnkappen-Kampfjets aus dem Hause Lockheed Martin anzukommen. Das gelang freilich – trotz großer Mühen – nicht immer.

Das Wichtigste aber hat man trotzdem verstanden. Zum Beispiel, dass die Bundesrepublik Deutschland mit ihren nun wieder drei A350-900 über die modernsten Regierungsjets der Welt verfügt. Dass Lufthansa Technik seit 2019 insgesamt eine Million Arbeitsstunden in das Twinjet-Trio investierte. Und dass alle Beteiligten betont stolz darauf sind, das bislang größte Modernisierungsprojekt in der Geschichte der Flugbereitschaft vor der gesetzten Frist und voll im veranschlagten Kostenrahmen abzuschließen – trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg.

Brandneues VIP-Interieur

Was aber war denn nun der Grund, warum die 10+03 erst ausgeliefert und dann wieder zu LH Technik zurückbeordert wurde? Die Kabine! Die war nämlich bei der ersten Übergabe noch nicht final vollendet. Vielmehr ging die später auf den Namen "Kurt Schumacher" getaufte A350 zunächst mit einer provisorischen Übergangskabine in Dienst, damit die Flugbereitschaft sie möglichst früh verfügbar hatte. Erst als die beiden Schwestermaschinen 10+01 und 10+02 mitsamt Vollwert-Kabinenausstattung einsatzbereit waren, kam die "Kurt Schumacher" zurück nach Hamburg – und ist jetzt ebenfalls mit dem finalen Interieur ausgerüstet, das so anscheinend exklusiv ist, dass niemand es fotografieren darf.

Sei's drum, fortan kann sich die Bundesrepublik Deutschland rühmen, auf der Langstrecke die drei modernsten Regierungsjets der Welt zu nutzen. Mit bis zu 18.000 Kilometern Reichweite, Platz für 100 Delegationsmitglieder, zukunftsfähigen Arbeits- und Konferenzräumen – und mit der Spezial-Option, die A350 bei Bedarf zur fliegenden Intensivstation für MedEvac-Einsätze umzurüsten.

Patrick Zwerger

Mit den drei fabrikneu übernommenen A350-900 besitzt Deutschland die modernsten Langstrecken-Regierungsjets der Welt. 

Nächster Schritt: Raketenabwehr

Ganz vollendet ist das größte Regierungsflug-Projekt in der Geschichte von Lufthansa Technik allerdings noch nicht. Voraussichtlich ab 2026 werden die drei A350-900 nacheinander abermals zur Überarbeitung nach Hamburg beordert. Dann sollen sie ihr Selbstschutzsystem erhalten, das die Bundesregierung ihnen spendieren möchte. Mutmaßlich dürfte es dabei auf eine Lösung von Elbit aus Israel hinauslaufen – basierend auf Sensoren, die herannahende Infrarot-Lenkraketen erkennen, lokalisieren und mit entsprechenden Gegenmaßnahmen unschädlich machen können.