So verteuern steigende Kaltmieten und höhere Nebenkosten das Wohnen in Berlin

So verteuern steigende Kaltmieten und höhere Nebenkosten das Wohnen in Berlin

Wachsende Ausgaben für Energie machen sich in Betriebskostenvorauszahlungen bemerkbar. Eine exklusive Auswertung von Immobilienscout24 zeigt die Entwicklung.

Sind beleuchtete Fenster bald die Ausnahme? Hohe Energiekosten belasten den Geldbeutel.
Sind beleuchtete Fenster bald die Ausnahme? Hohe Energiekosten belasten den Geldbeutel.dpa/Julian Stratenschulte

Wer in Berlin eine neue Wohnung sucht, sieht sich neben steigenden Kaltmieten nun auch höheren  Nebenkostenforderungen ausgesetzt – weil die Energiepreise so stark anziehen. Das geht aus einer Exklusiv-Auswertung des Internetportals Immoscout24 für die Berliner Zeitung hervor.

Während sich die Nebenkosten im August 2021 in Berlin im Schnitt noch auf 3,11 Euro je Quadratmeter Wohnfläche beliefen, verlangten die Vermieter im August dieses Jahres bereits 3,64 Euro je Quadratmeter – das entspricht einem Anstieg um 17 Prozent. Eingeflossen in die Untersuchung sind Wohnungen, die bei Immoscout24 angeboten wurden.

„Anhand der Inserate für Mietwohnungen in Berlin sehen wir, dass die dort angegebenen Nebenkosten innerhalb eines Jahres im Durchschnitt um bis zu 50 Cent je Quadratmeter Wohnfläche gestiegen sind“, sagt Kristian Kehlert, Leitender Marktanalyst von Immoscout24. Für eine Wohnung mit 70 Quadratmetern bedeute das eine Erhöhung der Nebenkostenvorauszahlung um 35 Euro im Monat.

Erhöhungen spiegeln Preisentwicklung nicht ausreichend wider

„Diese Erhöhung spiegelt jedoch nicht ausreichend die stark gestiegenen Energiepreise wider“, warnt Kehlert. „Für Wohnungssuchende wird die tatsächliche finanzielle Mehrbelastung durch steigende Energiekosten erst mit der Nebenkostenabrechnung Ende nächsten Jahres deutlich.“

Gestiegen sind nicht nur die Nebenkosten, sondern auch die Kaltmieten. Sie zogen laut Immoscout24 von durchschnittlich 13,82 Euro je Quadratmeter im August vergangenen Jahres auf 15,40 Euro im August dieses Jahres an. Daraus folgt, dass sich die Gesamtmieten für freie Wohnungen in Berlin im Schnitt von 16,94 auf 19,04 Euro je Quadratmeter verteuert haben. Das entspricht einem Anstieg um 12,4 Prozent.

Wer im August dieses Jahres eine 70 Quadratmeter große Wohnung anmieten wollte, sollte dafür im Schnitt 1332,80 Euro warm bezahlen. Im August vergangenen Jahres belief sich die durchschnittliche Mietforderung noch auf 1185,80 Euro, also auf 147 Euro weniger.

Verband rechnet mit deutlichen Heizkostensteigerungen

Dass die Steigerung der Nebenkostenvorauszahlungen im Moment noch vergleichsweise moderat ausfällt, könnte daran liegen, dass manche Vermieter zunächst den Spielraum für höhere Kaltmieten ausschöpfen wollen. Ist die Wohnung erst vermietet, müssen die neuen Bewohner die höheren Nebenkosten ohnehin bezahlen. Jeder, der eine neue Wohnung sucht, sollte deswegen darauf achten, dass die Vorauszahlungen realistisch sind.

Wie berichtet, rechnet der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) damit, dass auf Haushalte in Berlin in diesem Jahr Heizkostensteigerungen von „50 Prozent plus X“ zukommen. Die BBU-Mitgliedsunternehmen vermieten 753.000 Wohnungen in Berlin, das sind circa 45 Prozent der Mietwohnungen in der Stadt.

Laut BBU haben bei einer Umfrage im Juni fast 85 Prozent der Mitgliedsunternehmen angegeben, dass sich für sie seit Anfang 2022 die Energiepreise erhöht haben. Bei 68 Prozent lagen demnach die Erhöhungen in diesem kurzen Zeitraum bei einem Viertel und mehr, bei rund 27 Prozent gab es sogar mindestens eine Verdopplung der Preise. Einzelne Energieversorger hätten die Preise sogar um 100 bis 300 Prozent angehoben, so der Verband.

Unterschiede bei Wohnungen verschiedenen Baualters

Inserate für freie Wohnungen in Berlin weisen zurzeit ganz unterschiedlich hohe Vorauszahlungen bei den Nebenkosten aus. So bietet die Wohnungsbaugesellschaft Mitte auf dem gemeinsamen Internetportal der sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen eine 60,31 Quadratmeter große Wohnung am Brunsbütteler Damm in Spandau (mit Wohnberechtigungsschein) für eine Warmmiete von 623,84 Euro an. 358,84 Euro davon entfallen auf die Kaltmiete, 265 Euro auf die Betriebskosten. Die Nebenkostenvorauszahlung beläuft sich auf rund 4,40 Euro je Quadratmeter.

Die ebenfalls landeseigene Degewo offeriert eine rund 58 Quadratmeter große Wohnung in der Elly-Heuss-Knapp-Straße in Rudow, Baujahr 2015, für eine Warmmiete von 898,12 Euro – 702,76 Euro entfallen auf die Kaltmiete, 195,36 Euro auf die Betriebskosten. Die Nebenkostenvorauszahlungen belaufen sich hier – in einem energieeffizienteren Haus – auf lediglich 3,35 Euro pro Quadratmeter. Dafür ist die Kaltmiete mit 12,12 Euro je Quadratmeter vergleichsweise hoch.

Die landeseigene Howoge offeriert in einem gerade fertiggestellten Wohnturm an der Frankfurter Allee 218 in Lichtenberg eine 51 Quadratmeter große Wohnung für 609,45 Euro, 191,25 Euro entfallen auf die Betriebskosten. Die Nebenkostenvorauszahlungen belaufen sich hier also auf 3,75 Euro pro Quadratmeter.

Deutsche Wohnen: 758 Euro für 76 Quadratmeter große Wohnung

Die landeseigene Gesobau bietet eine 61,03 Quadratmeter große Wohnung im Thurbrucher Steig 7a in Reinickendorf, Baujahr 1994, zu einer Warmmiete von 715,94 Euro an. Davon entfallen 252,03 Euro auf die Betriebskosten. Die Nebenkostenvorauszahlungen belaufen sich hier auf 4,13 Euro je Quadratmeter.

Die Deutsche Wohnen, Tochter der börsennotierten Vonovia, vermietet im Falkenhagener Feld in Spandau eine 76,25 Quadratmeter große Wohnung für eine Warmmiete von 758,07 Euro. Davon entfallen 328,79 Euro auf die Betriebskosten. Die Nebenkostenvorauszahlungen belaufen sich auf 4,31 Euro je Quadratmeter.