Einer kam durch | Film-Rezensionen.de
Einer kam durch The One that Got Away TV Fernsehen arte Mediathek DVD
© Carlton Film Distributors 1957

Einer kam durch

Einer kam durch The One that Got Away TV Fernsehen arte Mediathek DVD
„Einer kam durch“ // Deutschland-Start: 20. Dezember 1957 (Kino) // 5. November 2021 (DVD)

Inhalt / Kritik

Als am 5. September 1940 Franz von Werra (Hardy Krüger) über Kent abgeschossen und von den Briten gefangen genommen wird, scheint sein Schicksal bereits besiegelt zu sein. Doch der deutsche Jagdflieger zeigt sich von seiner Lage unbeeindruckt. So verweigert er in den Verhören jede Auskunft und trickst die Briten auch bei dem Versuch aus, ihn und einen weiteren Gefangen heimlich abhören zu wollen. Gleichzeitig setzt er alles daran, um wieder aus der Gefangenschaft zu entkommen. Tatsächlich startet er mehrere Anläufe, teils unter lebensbedrohlichen Bedingungen. Aber das Glück scheint dem Deutschen nicht hold zu sein, immer wieder wird er doch geschnappt …

Die ungewöhnliche Geschichte eines deutschen Helden

Filme über den Zweiten Weltkrieg gibt es natürlich ohne Ende. Selbst ein Dreivierteljahrhundert später lässt das Thema Studios, Fernsehsender und Streaminganbieter nicht los. Jahr für Jahr werden die unterschiedlichsten Geschichten erzählt, bis heute noch. Darunter befinden sich auch viele Heldengeschichten über Männer, denen etwas ganz Außergewöhnliches gelungen ist oder die großen Mut bewiesen haben. Doch inmitten dieser besagten Heldengeschichten gibt es kaum welche, in denen ein Deutscher der Held ist. Verständlicherweise: In Deutschland will man sich möglichst von allem distanzieren, in den USA braucht man die Deutschen als Feindbilder. Wenn man sich schon nicht auf viel international verständigen kann, dann doch zumindest, dass der Nazi das personifizierte Böse ist.

Umso bemerkenswerter ist der Fall Einer kam durch. Nicht nur, dass hier das Publikum mit einem deutschen Piloten mitfiebern soll, der aus britischer Gefangenschaft flieht. Es handelt sich zudem um eine britische Produktion. Das ist ungefähr so, als würde ein Hollywood-Film einen russischen Agenten feiern, der sich den USA entziehen konnte. Eigentlich unvorstellbar. Und doch gibt es Einer kam durch nicht nur. Der Film wurde seinerzeit auch wohlwollend von der Kritik aufgenommen und wurde zu einem Erfolg in den Kinos – und das auch außerhalb Deutschlands. Tatsächlich wurde der deutsche Schauspieler Hardy Krüger (Das rote Zelt, Papiertiger) hierdurch einem englischsprachigen Publikum bekannt und zu einem Star, der in einer Reihe weiterer internationaler Produktionen zu sehen war.

Bis heute sehenswert

Krüger ist dann auch bis heute ein gutes Argument, sich den Film anzusehen. Auch wenn man letztendlich nicht so wahnsinnig viel über von Werra erfährt – längere Dialoge sind in Einer kam durch eine Seltenheit –, so wird dieser doch schnell zu einem Sympathieträger. Vor allem imponieren die Beharrlichkeit und der Mut, die der Pilot wiederholt unter Beweis stellt. Die Kaltschnäuzigkeit etwa, wenn er sich bei einem seiner Fluchtversuche als Niederländer ausgibt und sich nichts anmerken lässt, das bietet sich tatsächlich für Heldengeschichten an. Wobei Einer kam durch aber auch mit einer sehr geringen Fallhöhe arbeitet. Die Briten, mit denen es der Protagonist zwischendurch zu tun bekommt, sind so freundlich, dass man glatt vergisst, wie drumherum Krieg herrscht. Manchmal wirkt das dann auch so, als wollte sich ein Schüler während einer Klassenfahrt davonschleichen. Größere Konsequenzen fürchtet man hier nicht.

Tatsächlich darf man sich zwischendurch fragen, warum von Werra die Strapazen überhaupt auf sich nimmt. Die härtesten Szenen im Film sind schließlich gar nicht die, wenn er in Gefangenschaft ist, sondern auf der Flucht ist und teilweise mit widrigsten Umständen und Witterungen zu kämpfen hat. Dafür darf das Publikum an den Stellen besonders viel mitzittern. Klar, das Ergebnis steht schon fest. Das verrät schließlich der Titel Einer kam durch, der das Ende vorwegnimmt. Dennoch sind die Szenen sehenswert. Sofern man sich bewusst ist, dass es sich um eine eher kleinere Produktion aus den 1950ern handelt und entsprechend vieles ein bisschen einfacher gehalten ist, können sich die diversen Außenaufnahmen sehen lassen. Viel zu sagen hat der Film nicht, weder zum Krieg noch zur Figur, von Moral oder ähnlichem ganz zu schweigen. Als historisches Abenteuer und unglaubliche Überlebensgeschichte lohnt sich das hier aber.

Credits

OT: „The One that Got Away“
Land: UK
Jahr: 1957
Regie: Roy Baker
Drehbuch: Howard Clewes
Musik: Hubert Clifford
Kamera: Eric Cross
Besetzung: Hardy Krüger

Bilder

Trailer

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Einer kam durch
fazit
„Einer kam durch“ ist ein bis heute sehenswerter Abenteuerfilm um einen deutschen Piloten, der aus der britischen Kriegsgefangenschaft fliehen will. Über den Krieg oder den Protagonisten hat der Film nicht viel zu sagen, das Ende wird durch den Titel vorweggenommen. Doch die Fluchtszenen machen noch immer einiges her.
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7
von 10