„Atomino“: Der Superheld der DDR und die grüne Atomenergie der 68er - WELT
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Kultur „Atomino“

Die grüne Atomenergie der 68er

Redakteur Feuilleton
Da strahlt das Atom: „Atomino“ als Titelheld eines Kinderbuchs Da strahlt das Atom: „Atomino“ als Titelheld eines Kinderbuchs
Da strahlt das Atom: „Atomino“ als Titelheld eines Kinderbuchs
Quelle: Michael Pilz
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Superhelden gab es auch im DDR-Comic: Dabei war Atomino aus der „Frösi“ die Schöpfung eines italienischen Kommunisten. Wer den Kinderbuchklassiker heute liest, wundert sich über alle Debatten zur Energiekrise und zur Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken.

Bereits vor 60 Jahren war Atomstrom grün. Ein Rechtsanwalt aus Rom, der in Italien für die Kommunisten eintrat, schrieb für Kinder einmal wöchentlich in der „L’Unità“ über die Abenteuer eines atomaren Kobolds. 1968 kam Marcello Argillis „Atomino“ als Buch heraus, mit Bildern von Vinicio Berti.

Auf dem himmelblauen Einband hüpft der Held mit einem Gänseblümchen in den Fingern strahlend über einen Regenbogen. Die Geburt Atominos ereignet sich auf faustsche Weise in einer Atomzentrale: Während sich die Wissenschaftler an ihren Visionen einer besseren Welt berauschen („Wir werden so viel Wärme erzeugen, dass wir damit die Eisfelder der Antarktis zum Schmelzen bringen können!“), macht sich der Laborkater an einem Topf zu schaffen, in dem alle Elemente der Materie köcheln.

Der Homunkulus, der dem Gefäß entspringt, ist ein Atom in Kindergröße. Es hat einen Kugelbauch als Kernreaktor, einen Kopf mit Strahlensender und vier Gliedmaßen. Atomino verkörpert die Atomkraft in Gestalt eines hyperaktiven Grundschülers.

Auf seiner Flucht vor Generälen und dem Missbrauch durch die Rüstungsindustrie findet Atomino eine Familie bei einem alleinerziehenden Kernphysiker und dessen altkluger Tochter, denen es gelingt, die Energie des lebenden Atoms zu bändigen und es zu zähmen. Es richtet im Überschwang allerlei Unheil an. Aber im Kern besitzt Atomino ein gutes Herz. „Es ist nicht meine Schuld, dass ich so stark bin“, klagt Atomino und weint radioaktive Tränen.

Atom sucht Arbeit

Über eine Zeitungsanzeige macht es sich nützlich: „Atom, radioaktiv, thermonuklear, elektronisch, thermoelektrisch mit Überspannung, erfahren, sucht Arbeit gleich welcher Art.“ Aber auch hier wird es missbraucht, als Streikbrecher vom Kapital. Es ist ein weiter Weg vom unmündigen, ungebildeten Atom, das lernen muss, dass es die Meere nicht erwärmen und die Polkappen nicht schmelzen lassen sollte, zum utopischen Atom, das auf der richtigen Seite steht. Noch 1979 landete der Sänger Pupo in Italien einen Hit namens „Atomino“, in dem es hieß: „Ich bin der beste aller Roboter / Klein wie ein Kind / Treu wie ein Hund.“

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In Deutschland wurde Argillis „Atomino“ zum Klassiker des Kinderbuchs vor allem in der DDR. Die Jugendzeitschrift „Frösi“ machte das kleine Atom durch Comicstrips berühmt, in denen es bis 1983 für die Kernkraft warb und durch den Osten reiste, bis in die Sowjetunion. In Chemnitz ist ein Club noch heute nach Atomino benannt. Und in der Energiekrise, in den politischen Debatten über Taxonomien und Laufzeiten, wird die Atomkraft wieder grüner.

Bei Argilli geht es gut aus für Atomino und für die Menschheit. Die Akademie der Wissenschaften von Italien trifft sich in Rom zu einer Sondersitzung. „Wir werden die Atomenergie zum Nutzen aller Bürger einsetzen“, erklärt der Ziehvater des Superhelden, baut einen Reaktor, füllt ihn mit den Tränen und den Körpersäften des Atomwesens aus der Retorte – und lädt alle ein, sich so viel Strom, wie sie benötigen, selbst und umsonst zu zapfen. „Die Stadt wurde zum Paradies, wie es in jeder Stadt der Welt der Fall sein könnte“, schreibt Marcello Argilli.

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