Nordkurier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Nordkurier
Logo
Beschreibung deutsche Tageszeitung
Verlag Nordkurier Mediengruppe GmbH & Co. KG
Erstausgabe 2. April 1990[1]
Erscheinungsweise täglich Montag bis Sonnabend
Verkaufte Auflage 55.086 Exemplare
(IVW 2/2022, Mo–Sa)
Chefredakteur Gabriel Kords
Herausgeber Nordkurier Mediengruppe GmbH & Co. KG
Weblink nordkurier.de
ISSN (Print)
Nordkurier-Gebäude, Flurstraße 2, Neubrandenburg

Der Nordkurier ist eine regionale Tageszeitung. Sie wird überwiegend in Ostmecklenburg, im südlichen Teil Vorpommerns sowie im Landkreis Uckermark im nördlichen Brandenburg vertrieben. Das traditionelle Verbreitungsgebiet ist weitestgehend identisch mit den Grenzen des ehemaligen Bezirks Neubrandenburg der DDR. Die verkaufte Auflage beträgt 55.086 Exemplare, ein Minus von 57,6 Prozent seit 1998.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hervorgegangen ist der Nordkurier aus der Zeitung Freie Erde, dem ehemaligen Organ der Bezirksleitung Neubrandenburg der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Freie Erde erschien von August 1952 bis März 1990, zuerst als Organ der Bezirksleitung Neubrandenburg der SED und ab 1989 als Sozialistische Tageszeitung im Bezirk Neubrandenburg.

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Nordkurier-Mediengruppe, die den Nordkurier verlegt, waren bis 2021 zu jeweils einem Drittel der Verlag der Kieler Nachrichten, die Schwäbischer Verlag GmbH und Co. KG Drexler, Gessler sowie die Presse-Druck- und Verlags-GmbH beteiligt. Rückwirkend zum 1. Januar 2021 einigten sich diese drei Gesellschafter im Juli 2021 darauf, dass der Schwäbische Verlag alleiniger Gesellschafter wird.[3] Zur Nordkurier-Mediengruppe gehört ein eigenes Logistikunternehmen, das die Nordkurier-Zeitungen, Briefe und Pakete zustellt.[4]

Chefredakteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefredakteure der Freien Erde:

Zeitraum Name
1952–1956 Karl-Heinz Karge
1956–1961 Horst Jonas
1962–1964 Heinrich Thomas
1964–1989 Gerhard Schiedewitz
1989–1990 Heinzgeorg Oette

Die auf Usedom erscheinende Lokalausgabe wird unter dem abweichenden Titel Usedom Kurier herausgegeben. Sie steht in direkter Konkurrenz zur Usedom-Peene-Zeitung, der Lokalausgabe der dort erscheinenden Ostsee-Zeitung. Diese Situation entstand aus der Kreisgebietsreform 1994 durch die Zusammenlegung der Kreise Anklam (ehemals Bezirk Neubrandenburg, dadurch traditionelle Zeitung Freie Erde), Greifswald-Land und Wolgast (beide ehemals Bezirk Rostock mit dem Bezirksorgan Ostseezeitung). In Brandenburg heißt die Lokalausgabe Uckermark Kurier.

Nach dem Umbruch in der DDR 1989/1990 wurde zunächst in den alten Räumen weiter gearbeitet. Nachdem der damalige Finanzminister Theo Waigel am 30. September 1992 den Grundstein legte, bezog das durch die Treuhandanstalt privatisierte Unternehmen 1993/1994 ein neu errichtetes Druck- und Verlagshaus auf dem Neubrandenburger Datzeberg.

Chefredakteure des Nordkurier:

Zeitraum Name
1990–1992 Heinzgeorg Oette
1992–2002 Gerhard Deckl
2002–2009 André Uzulis
2009–2013 Michael Seidel
2013–2019 Lutz Schumacher
2019–2022 Jürgen Mladek
seit 2022 Gabriel Kords

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordkurier hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist in den vergangenen 10 Jahren um durchschnittlich 3,9 % pro Jahr gesunken. Im vergangenen Jahr hat sie um 4,1 % abgenommen.[5] Sie beträgt gegenwärtig 55.086 Exemplare.[6] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 93,4 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[7]

Produktion und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von April 2009 bis März 2013 produzierte der Nordkurier seinen Mantelteil nicht mehr selbst, diesen lieferte die mv:m Mantelredaktion GmbH mit Sitz in Schwerin.[8] Seit April 2013 erstellt der Nordkurier seinen Mantel wieder in Eigenregie und stockte dazu die Redaktion um 14 auf 120 Mitarbeiter auf. Hintergrund des neuen Konzepts war auch der Bau eines neuen Druckzentrums mit einer neuen Druckmaschine, was eine Umstellung des Zeitungsformats vom Rheinischen auf das Berliner Format bedeutete. Dadurch ließ sich das Layout des Kooperationspartners Schweriner Volkszeitung nicht mehr so einfach übernehmen. Zudem hätten „verschiedene redaktionelle Neuausrichtungen in andere publizistische Ansprüche als zu Beginn der Kooperation“ gemündet, hieß es aus Schwerin.[9]

Im Verlag des Nordkuriers erscheinen acht Ausgaben des Wochenblattes Anzeigenkurier mit einer Gesamtauflage von 321.000 Exemplaren wöchentlich.

Regionalteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgabe Verkaufte Auflage[10]
Anklam (Vorpommern Kurier)
Usedom (Insel-Zeitung im Usedom Kurier)
5088
Demmin (Demminer Zeitung) 2354
Neubrandenburg (Neubrandenburger Zeitung)
Altentreptow (Treptower Tageblatt)
12.361
Neustrelitz (Strelitzer Zeitung) 6063
Pasewalk (Pasewalker Zeitung) 4054
Prenzlau (Prenzlauer Zeitung im Uckermark Kurier) 4780
Templin (Templiner Zeitung im Uckermark Kurier) 3658
Teterow (Mecklenburger Schweiz – Teterow)
Malchin (Mecklenburger Schweiz – Malchin)
6270
Ueckermünde (Haff-Zeitung) 4024
Waren (Müritz-Zeitung)
6435

Strafverfahren wegen des Begriffs Rabauken-Jäger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregional berichtet wurde über ein Verfahren gegen einen Nordkurier-Reporter, der einen Jäger, der ein totes Reh an einem Seil hinter seinem Auto über die Straße geschleift hatte,[11] im Juni 2014 als Rabauken-Jäger bezeichnete.[12] Vor dem Amtsgericht Pasewalk wurde der Journalist im Mai 2015 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt, die Strafe wurde im Februar 2016 vom Landgericht Neubrandenburg bestätigt, aber im September 2016 vom Oberlandesgericht Rostock aufgehoben.[11][13][14]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2021 warf der Autor Hendrik Wieduwilt der Textchefin des Nordkuriers, Simone Schamann vor, einem Interviewgast nach mehreren Falschaussagen nicht widersprochen zu haben. Der Anwalt hatte die These aufgestellt, dass der Lockdown gegen EU-Recht verstoße. Auf dem medienkritischen Online-Magazin Übermedien fragte Wieduwilt: „Wie erklärt man sich dieses simultane Punktversagen von Journalismus und Anwaltschaft? Was werden beide mit diesem Interview bei den Querdenkern auslösen?“[15][16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nordkurier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jubiläum ohne Feier. Der Nordkurier wird 30 Jahre alt. In: nordkurier.de, 2. April 2020, abgerufen am 18. Juli 2020.
  2. laut IVW (Details auf ivw.de)
  3. Schwäbisch Media übernimmt Nordkurier komplett. In: Schwäbische Zeitung vom 28. Juli 2021.
  4. Unruhe bei der Nordkurier-Gruppe: Ostdeutscher Regionalzeitungsverlag kündigt 60 Zeitungszustellern. In: Meedia. 10. Januar 2018, abgerufen am 18. Juli 2020.
  5. laut IVW (online)
  6. laut IVW, zweites Quartal 2022, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  7. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.de)
  8. ddp: Nordkurier löst Mantel-Redaktion auf (Memento vom 5. August 2009 im Internet Archive). In: news-adhoc.com, 13. Januar 2009, abgerufen am 18. Juli 2020.
  9. Lars Radau: Der Querdenker von der Tankstelle. In: journalist. 4/2013, S. 38 ff.
  10. IVW 2/2022, Mo–Sa ( Details auf ivw.eu)
  11. a b Jochen Zenthöfer: Der beleidigte Waidmann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. September 2016, abgerufen am 13. September 2016.
  12. Rabauken-Jäger erhitzt die Gemüter. In: Nordkurier. 3. Juni 2014, abgerufen am 17. Oktober 2018 (Artikelanfang frei abrufbar).
  13. Gericht: „Rabauken-Jäger“ ist keine Beleidigung. In: NDR. 9. September 2016, archiviert vom Original am 10. September 2016; abgerufen am 10. September 2016.
  14. Thomas Hahn: Und weiter geht die wilde Hatz. In: Süddeutsche Zeitung. 24. August 2016, abgerufen am 13. September 2016.
  15. Corona-Recht ohne Mundschutz: Der "Nordkurier" lässt einen Anwalt querdenken. In: Übermedien. 12. Januar 2021, abgerufen am 26. Januar 2021.
  16. Händler-Protest: Könnte EU-Recht den Corona-Lockdown sprengen? | Nordkurier.de. 6. Januar 2021, abgerufen am 26. Januar 2021.