Anna Lührmann

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Europastaatsministerin Anna Lührmann (2022)

Anna Lührmann (* 14. Juni 1983 in Lich, Landkreis Gießen) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin und Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 2002 bis 2009 (als jüngste jemals in den Bundestag gewählte) Abgeordnete und ist erneut seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit Dezember 2021 ist sie zudem Staatsministerin für Europa bei der Bundesministerin des Auswärtigen sowie Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Von 2018 bis 2021 war sie Juniorprofessorin an der Universität Göteborg und von 2018 bis 2020 stellvertretende Direktorin des Instituts Varieties of Democracy (V-Dem).[1]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lührmann wuchs teilweise in Kassel auf, wo sie bis zur 9. Klasse die Albert-Schweitzer-Schule besuchte.[2] Sie verbrachte von 1999 bis 2000 mit Youth For Understanding (YFU) ein Austauschjahr in Syracuse im US-Bundesstaat New York. Nach dem Abitur 2002 an der Main-Taunus-Schule in Hofheim am Taunus begann Lührmann zunächst ein Studium der Sozialwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2003 bis 2008 studierte sie – während ihres Mandats als Bundestagsabgeordnete – an der Fernuniversität in Hagen und erwarb einen Bachelor in Politik und Organisation.

Anna Lührmann bei einem Workshop des Electoral Integrity Project an der Harvard Kennedy School (2013)

Ihr Master-Studium absolvierte sie von 2009 bis 2011 an der Ahfad-Universität für Frauen in Omdurman (Sudan) im Fach Gender and Peace studies. Zusätzlich schulte sie sudanesische Abgeordnete, u. a. über demokratische Instrumente der Gewaltenteilung und -kontrolle. Ihr Ehemann Rainer Eberle war in dieser Zeit deutscher Botschafter im Sudan.[3] 2011 kehrte sie an die Humboldt-Universität Berlin zurück und promovierte 2015 an der Berlin Graduate School of Social Sciences[4] mit einer Arbeit zur Wahlförderung der Vereinten Nationen.

Von 2015 bis 2018 arbeitete sie als Postdoktorandin am Instituts Varieties of Democracy (V-Dem) der Universität Göteborg. Von 2018 bis 2021 war sie Assistant Professor im Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Göteborg und von 2018 bis 2020 stellvertretende Direktorin des V-Dem-Instituts. Sie war Hauptautorin der jährlichen „Democracy Reports“ des Institutes von 2017 bis 2020.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenen Angaben engagierte sich Anna Lührmann bereits im Alter von neun Jahren ab 1992 in einem Greenteam, den Jugendgruppen von Greenpeace. 1997 wurde sie Mitglied der Grünen Jugend und 1998 auch bei Bündnis 90/Die Grünen. Von 1998 bis 1999 sowie von 2001 bis 2003 war sie Sprecherin der Grünen Jugend Hessen. Von 2000 bis 2003 gehörte sie außerdem dem Vorstand des Kreisverbandes Main-Taunus der Grünen an.

Von 2002 bis 2009 war sie erstmals Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier gehörte sie ab September 2004 dem Haushaltsausschuss an. Anna Lührmann ist stets über die Landesliste Hessen in den Bundestag eingezogen. Seit Juni 2007 ist sie Patin der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule in Homberg (Efze) im Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. 2009 kandidierte Lührmann nicht erneut für den Deutschen Bundestag.[5]

Bei der Bundestagswahl 2021 zog sie über die hessische Landesliste nach zwölfjähriger Pause erneut in den Bundestag ein. Im Wahlkreis Rheingau-Taunus – Limburg verdoppelte sie das Erststimmen-Ergebnis der Grünen im Vergleich zu 2017 auf 14,4 Prozent. Seit dem 8. Dezember 2021 ist sie Staatsministerin für Europa bei der Bundesministerin des Auswärtigen, Annalena Baerbock. Seit Dezember 2021 ist sie auch Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Zudem wurde sie im Januar 2022 zur Sonderbeauftragten der Bundesregierung für den Vorsitz Deutschlands im Ministerkomitee des Europarats ernannt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lührmann ist mit dem Diplomaten Rainer Eberle verheiratet, der u. a. deutscher Botschafter im Sudan (2008–11) und in Libyen (2011–13) war. Zusammen hat das Paar eine Tochter.[6]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Anna Lührmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staff, V-Dem Institute, abgerufen am 3. November 2020.
  2. Florian Hagemann: Einstige Kasselerin Anna Lührmann ist wieder im Bundestag: „Machen statt meckern“. In: HNA, 8. Dezember 2021.
  3. Annick Eimer: Ex-Abgeordnete Anna Lührmann: Einmal Sudan und zurück, KarriereSpiegel, 6. Juli 2011, abgerufen am 6. Juli 2011.
  4. Humboldt-Universität zu Berlin: Anna Lührmann
  5. Spiegel-Online vom 25. September 2009: Abgang von Anna Lührmann, MdB „Manchmal hat sie genervt“. abgerufen am 22. Juni 2010.
  6. Landesverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen: Hessische GRÜNE aktiv gegen den demografischen Wandel. 2. Juli 2008, abgerufen am 18. Februar 2016.
  7. Democratization Frank Cass Prize. Abgerufen am 25. Juni 2021 (britisches Englisch).