Warum die Hollywoodschaukel so kultig ist

Wie wenig Hollywood in der Schaukel steckt und warum sie in Österreich als Statussymbol galt, erzählt der Stadtforscher Peter Payer.

Bunt, blumig, gestreift, fransig, schaukelnd: So sah das Gartenglück der 1960er- und 1970er-Jahre aus. Die Hollywoodschaukel gehörte zur Grundausstattung vieler Gärten, darin saß oder lag man, hier wurde geträumt, gelacht, gedöst. 

Genau daran kann sich auch der Wiener Stadtforscher Peter Payer erinnern, in dessen Elternhaus ebenfalls so eine schaukelnde Gartenliege stand. „Hier konnte man die Swinging Sixties wörtlich nehmen und sich modern und heutig fühlen“, schrieb er in einem Essay zur "Karriere der schwingenden Gartenbank". 

Er ist einer der wenigen, der sich mit der Kulturgeschichte dieses Gartenmöbels auseinandersetzte. Seit einiger Zeit ist das Stück Glück wieder da: erwachsener und moderner, in unterschiedlichsten Varianten und Designs. Aus Holz, aus Korb, aus Edelstahl, romantisch, cool und stylisch. Das ewige Schwingen.

Neues Lebensgefühl

Ein Möbel mit Geschichte, dessen Karriere in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg Fahrt aufnahm und in dem weniger Hollywood steckt, als man es vermuten würde: "Vielmehr geht es um eine Projektion und Hollywood als Chiffre für das Besondere. In der Nachkriegszeit setzten eine Amerikanisierung und westliche Orientierung ein, auch in Österreich. Man blickte in Richtung der Stars und deren mondänen Lebensstil, angeregt durch Illustrierte und die Filmindustrie. Die Hollywoodschaukel stand für den American Way of Life, für Luxus und Gemütlichkeit. Sie symbolisierte Wohlstand im Zeichen des Wiederaufbaus."

Ein neues und sehr besonderes Lebensgefühl, nach dem sich die Menschen so gesehnt hatten: leicht, schwingend, bunt. "Der Aspekt der Bewegung, des Schaukelns scheint hier wichtig, wer darin lag oder saß, fühlte Unbeschwertheit und Leichtigkeit. Dazu kam, dass es sich um ein neues Möbelstück handelte, das bewegbar war und auch noch im Freien stand“, so Payer. 

In diesem Lichte wurden Hollywoodschaukeln auch gerne besungen, zum Beispiel im „Hollywood-Schaukellied“ von Bill Ramsey, 1966 veröffentlicht. Oder im Schlager "Dondolo" von Rex Gildo, als südliche Variante der schwingenden Gartenschaukel, wie sie in fast jedem italienischen Strandhotel der 60er stand: "Dondolo. Wir stell'n die Welt auf den Kopf und schaukeln, bis sich alles dreht…"

Der Wiener Stadtforscher Peter Payer beschäftigte sich mit der Hollywoodschaukel

©Sammlung Peter Payer

Hollywoodschaukeln auf der WIG 64

Dabei hatte sie schon einmal ein "Hoch", Ende des 19. Jahrhunderts, als sie vor allem in den USA als „Porch Swing“ bekannt wurde. Diese fand sich auf jeder Veranda und war aus robustem Holz gemacht. Im angloamerikanischen Sprachraum ist der Begriff „Hollywood-Schaukel“ gar nicht bekannt, man nennt sie dort bis heute "Garden Swing", also Gartenschaukel. Als diese wurde sie in den 1920er-Jahren auch hierzulande ins Szene gesetzt: „Jeden Tag Ferien“, hieß es in einem Inserat der Firma Caspary aus dem Jahr 1929. Beworben wurde darin die "Wiegente", so hieß das schwingende, aber eher elitäre Möbelstück seinerzeit. Eine Gartenschaukel stand auch in der Villa Mahler am Semmering, alte Fotos zeigen Alma Mahler-Werfel und Franz Werfel darin. 

So richtig populär wurde die Hollywoodschaukel in Österreich aber erst im Zuge der „Wiener Internationalen Gartenausstellung“, im Jahr 1964. Im gesamten Donaupark luden Hollywoodschaukeln alle Besucher ein, sich niederzulassen – eine Attraktion, neben Sessellift, Donauturm und Tausenden Blumen. „Mit ihr war der Leichtigkeit in den Wiener Alltag wieder eingekehrt“, meint Payer. Ein bewegtes Zeichen des Optimismus, man blickte nach vorne. "So konnte man beweisen, dass man up-to-date ist".

Verliebt in der Hollywoodschaukel: Romy Schneider und Alain Delon

©APA/dpa/Georg Göbel

Selbstverständlich posierte auch so mancher Star in einer Hollywoodschaukel. Romy Schneider mit Alain Delon, 1965 oder Jimmy Hendrix, 1967 in Berlin. Liz Taylor und Richard Burton mimten in der Hollywoodschaukel das harmonische Paar, in der Filmromanze "Marili" sah man Sabine Sinjen und Paul Hubschmid darin sitzen. Schließlich Peter Alexander, der in "Wenn der Toni mit der Vroni" schaukelnd seinem Film-Dirndl Waltraud Haas ein Ständchen singt. Selbst Politiker ließen sich darin nieder: Im Jahr 1975 zeigte sich Bruno Kreisky mit Willy Brandt und Olaf Palme  im Garten seiner Villa in der Armbrustergasse, letztere in einer "schwingenden Gartenliege". Die gestreifte Hollywoodschaukel als Politbühne. 

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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