The Rockin’ Granny: Wie Cordell Jackson die Rockabilly-Männerwelt aufmischte

Cordell Jackson

Manche Menschen haben keine Scheu davor, ihr eigenes Ding durchzuziehen, egal wie hoch die Hürden dafür sind. Cordell Jackson gehörte zu diesem Schlag Menschen. Spät berühmt geworden als gitarrenschwingende “Rockin’ Granny” im Omakleid, zählte sie schon in den 50er-Jahren zur weiblichen Rock’n’Roll-Vorhut, und das will etwas heißen.

 

Rock’n’Roll-Jugend im Bible Belt

Mississippi in den 30er- und 40er-Jahren gehörte nicht unbedingt zu den Orten auf dieser Welt, an denen es Frauen leicht hatten, aus traditionellen Geschlechterrollen auszubrechen. Kein Grund für Cordell Jackson, es nicht trotzdem zu tun. Mit zarten 12 Jahren griff die Tochter eines Fiddlers zur Gitarre und kümmerte sich herzlich wenig darum, was andere darüber dachten. “When I picked up the guitar,” erinnerte sie sich später, “I could see it in their eyes, ‘Little girls don’t play guitar,’ they thought. I looked right at ’em and said, ‘I do.’”

Der nächste logische Schritt für die mittlerweile verheiratete Cordell Jackson bestand darin, nach Memphis, zu ziehen. Dort bewies sie ihre Vielseitigkeit, indem sie nicht nur selbst spielte, sondern auch Songs für andere schrieb und aufnahm. Ihr eigentlicher Wunsch aber blieb unerfüllt: Sam Philipps weigerte sich, Cordell Jackson einen Plattenvertrag zu geben. Also entschied sich die Verschmähte einfach dazu, ihr eigenes Label zu gründen: Moon Records öffnete 1956 seine Pforten und Cordell Jackson ging voller Enthusiasmus an die Arbeit als erster weiblicher Toningenieur in Amerika.

 

Später Ruhm für Cordell Jackson

Jahre lang produzierte Cordell Jackson Rockabilly mit Moon Records in ihrem eigenen Home Studio, angefangen mit einer Single unter eigenem Namen: “Rock And Roll Christmas”/”Beboppers’ Christmas”. Außerdem veröffentlichte sie Aufnahmen von heute größtenteils vergessenen Künstlern wie Allen Page, Johnny Tate und Barney Burcham.  Ein Hit gelang ihr nicht, weder in den Anfangsjahren noch später, als Jackson die Musik nur noch nebenbei betrieb und hauptberuflich Häuser verkaufte.

Einem breiten Publikum bekannt wurde die Musikerin erst Anfang der 90er-Jahre in einem Alter, in dem andere in Rente gehen. Schon die Jahre davor hatte Jackson regelmäßig Soloauftritte gespielt – nur sie und ihre rote Hagstrom-Gitarre. Aus dieser Zeit stammt wohl auch der Spitzname “Rockin’ Granny” Der späte Durchbruch allerdings gelang ihr, als sie zusammen mit Brian Setzer in einem Werbeclip für Budweiser auftrat.

Dabei hinterließ die rockende “Oma”, die jetzt auch immer wieder Videosingles veröffentlichte, einen solch bleibenden Eindruck, dass sie in den Folgejahren in mehrere Talkshows eingeladen wurde, darunter die Late Night Show mit David Letterman. Und immer noch gab sie wenig darauf, was andere Leute über sie dachten oder sagten: “If I want to wang dang rock & roll at 69 years old all dressed up in an antebellum dress, it ain’t nobody’s business but mine.”

2004 starb Cordell  Jackson im Alter von 81 Jahren. Knapp 10 Jahre zuvor hatte sie den einzigen eigenen Longplayer ihrer Karriere aufgenommen. “Cordell Jackson – Live in Chicago” klingt genauso eigenwillig, wie Cordell Jackson gelebt hatte.